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Holzschlag und -handel (Gelesen: 2198 mal)
30.09.2010 um 16:11:37
Lotte_Gumprecht   Ex-Mitglied

 
hier ein recht interessanter Auszug aus dem Buch:
Ernst, Christoph:
Den Wald entwickeln: ein Politik- und Konfliktfeld in Hunsrück und Eifel im 18. Jahrhundert/ von Christoph Ernst. - München:
Oldenbourg, 2000
Disertation Uni Trier von 1998


Die Praxis der Waldentwicklung:

S.140ff
Die Schlagwirschaft diente dazu, Klafterholz zu liefern, das die Käufer verkohlten oder direckt verfeuerten. Doch neben Kohl- und Bennholz verlangten sie auch nach Werk- und Bauholz (Tab. 15). Die dazu verwendeten Stämme wurden nicht aufgeklafter, sondern am Stück aus dem Wald transportiert. Sie waren entweder für den regionalen Bedarf vorgesehen oder für den Export. Blieben die Stämme in Hunsrück und Eifel, nennen die Quellen den Verkauf von "alten abgängigen Bäumen" oder "Eichen und Buchen". Aus vielen von ihnen fertigten die Handwerker die als vielseitige Transportgebinde unerläßlichen Faßdauben. Ein Teil des benötigten Werk- und Bauholzes stand der Bevölkerung unentgeltlich zu. Er taucht in den Forstkassenrechnungen nicht auf. Sie verzeichnen nur die ausßerhalb der Notdurft verkauften Stämme. Die Mehrzahl des Stammholzes für den regionalen Markt entstammte dem Forstrevier Zell, aber auch Beurig, Hermeskeil und Manderscheid lieferten kommerziell Stämme.
Blieben die Stämme nicht in der Region, handelt es sich zumeist um "Holländerbäume" (Tab. 16). Damit kennzeichzneten die Rechnungsführer fast auschließlich gut gewachsene, über hundertjährige Eichen, die ihren Namen vom Bestimmungsort, an den sie über Mosel und Rhein geflößt wurden, erhalten hatten 121. Auf dem Rhein wurden sie  zu großen Holzflößen zusammengestellt und versorgten so den niederländischen Haus-, Wasser-, Maschienen- und Schiffbau bis weit ins 19. Jahrhundert hinein. Eine immense internationale Nachfrage ließ diesen Handelszweig zu einem lukrativen Geschäft werden, das seine große Zeit am Ende des 18. Jahrhunderts allerdings bereits hinter sich hatte.122


Im Mosel-Saargebiet dominierten diesen Handelszweig einige wenige Familien. 1786 schlossen sich die im Holländerholzgeschäft tätigen Großhandelsfirmen von Hausen (Saargemünd), Gebr. Ziegler (Frankfurt/M.) und Nell Erben (Trier) in einem Kartellvertrag zusammen, um das Angebot der rückläufigen Nachfrage anzupassen und ihre Aktivitäten aufeinander abzustimmen.123
Zwischen 1795 und 1782 kaufte die Firma Hausen in obererzstiftischen Revieren 200 Holländerbäume, 60 weitere gingen an Jörg Schmidtborn.124
Des weiteren erstand die Firma Döll, die 1798 wie Schmitdtborn dem Kartellvertrag beitrat 125, Holländerstämme.
Zwar sind im Kondelwald im Kröver Reich keine Verkäufe von Holländerholz nachgewiesen. Aber 1761 zerschlug sich ein Geschätsabschluß mit besagter Floßfirma Döll, "weil die schläge noch nicht genügsam ausgehauen waren".126 Hier erhellt sich der Ablauf der Holländereinschläge: Sie folgten den Klafterholzeinschlägen, damit die Stammentnahme möglichst wenig Fall- und Transportschäden im Unterwuchs anrichtete.

Herausragend war die Familie von Nell unter den Handelsfirmen an der Mosel mit ihrem Volumen von 855 Holzstämmen.127
Ein Blick in das Kontor der Großhändler aus Trier erlaubt, diese regionalen Ativitäten in das Gesamtgeschäft einzubetten: Die 4500 Rt, welche die Nells 1771 für 600 Stämme entrichteten, nahmen sich in deren Geschäft recht marginal aus. Die Nellschen Umsatzerlöse beliefen sich 1774, zu einem Zeitpunkt also, an dem sie die Stämme aus dem Revier Wittlich durchaus hätten in Dordrecht in den Niederlanden verkaufen können, auf rund 190 000 Rt. 128
Angenommen aber, es handelte sich um 655 Eichenbalken (Langholz, ganze Stämme, viekantig behauen, 9 m lang, 60 cm stark), welche die Nells auch tasächlich in Dordrecht veräußerten, so ist diese Menge von der Mittelmosel schon nicht mehr zu vernachlässigen. Denn 1774 wurden dort von allen Händlern insgesamt 1029 Eichenbalken, 1789 Eichenruten (gleiche Länge wir Balken, nur geringere Stärke) und 40achsen (ÜBermaß) verkauft.129
Bedeutsam schließlich ist auch die Spanne zwischen den 405 Albus Einkaufs- und den knapp 2300 Albus mittlerem Verkaufspreis für Eichenblaken im gleichen Jahr.130
Warum diese wertvollen Stämme - für die andere Händler je nach Qualität und Standor im Einkauf auch nur 264 oder aber 540 Albus zahlten - so gesucht waren, dürfte daraus unmittelbar einleuchten. Wenn sie noch dazu in den Forstrevieren Wittlich, Britten, Cochem, Beurig unweit der Mosel oder Saar zu finden waren, mußten die Fuhrleute sie zudem nur ein kurzes Stück über Land transportieren. Trotz größerer Entfernung zur Mosel waren aber offenbar der Ebertswald im Forstrevier Hermeskeil und der Schwickerather Hochwald im Forstrevier Manderscheid interessant. Ausnahmsweise flößte man die Stämme wohl, zumindest teilweise, über Prims und Kyll, die an sich nur zur Holztrift ausgebaut waren. Allerdings mußten dazu im gleichen Jahr weitere 80 Stämme zu den 100, die veräußert wurden, gefällt werden, um die Weiher an der Ky.. beim Transport der ungewähnlich großen Fracht nich zu zerstören. 131



 
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Antwort #1 - 30.09.2010 um 16:13:08
Lotte_Gumprecht   Ex-Mitglied

 
hier kommen noch die Lesezeichen:

121 Dietrich Ebeling; Der Holländerholzhandel in den Rheinlanden. Zu den Handelsbeziehungen zwischen den Niederlanden und dem westlichen Deutschland im 17. und 18. Jahrhundert, Stuttgart 1992; DERS., Rohstofferschließung im europäischen Handelssystem der frühen Neuzeit am Beispiel des rheinisch-niederländischen Holzhandels im 17./18. Jahrhundert, in: ThVjbll 52(1988), S. 150-170; für den Main: Schenk, Waldnutzung, Waldzustand und regionale Entwicklung, S. 240-275, hier wurden auch Nadelholzstämme geflößt; TEXTOR; Amorbacher Zetn, S. 189-191, 214-218.

122 Zum internationalen Handel und regionalen Nutzungsformen EBELING, Holländerholzhandel, S. 52-56; zu den Konjunkturen im Detail ebd., S. 72-95. Vgl. auch HAUSRATH, Holzpreise, S 371, der für Holländer in der Kurzpfalz einen Preisanstieg von 1659-1800 um 350 % errechnete.

123 EBELING; Holländerholzhandel, S. 149-153, 187-203 (Text des Kartellvertrags).

124 Roger DUFRAISSE, Flottes et flotterus de bois du Rhin à l'époque napoléonienne, in: Actes du 88e congrès nationale des sociéés savantes Clermont-Ferrand 1963. Section d' histoire moderne et contemporaine, Paris 1964, S 667-693, 670.

125 EBELING, Holländerholzhandel, S 152.

126 STAT 54K 5450, Familienprotokoll Kesselstatt 1761, § 78 unfoliert

127 Für 1774 sind bei einem angenommenen Stückpreis von 405 Alb. etwa 23 Stämme hinzu zu zählen.

128 Errechnet aus EBELING; Holländerholzhandel, S 155-157, 173. Danach konnte die Floßreise durchaus mehrere Jahre dauern, 1774 erzielten die Nells bei Auktionserlösen 130 000 Gulden (NL), was bei einem 45%igen Anteil am Gesamtgeschäft (restliche 55% freier Verkauf) einem Gesamterlös von etwa 290 000 Gulden (NL) ergibt. Dieser entsprach etwa 284 000 Gulden (rheinisch) oder  190 000 Rt

129 Zusammengestellt aus ebd., S. 74, 206, 214f. Vom gebräuchlisten Sortiment Wagenschoß (gespaltenes Hloz unterschiedlicher Dimension) wurden 1774 4257 Stück in Dordrecht verkauft; ebd. , S. 210

130 Der Mittelpreis lag 1774 bei etwas über 65 Gulden(NL) oder 6307 Golden (rheinisch) oder 2293 Alb., der Minimalpreis bei 27 Gulden(NL) oder 953 Albus, das Maximum bei 180 Gulden(NL) oder 6350 Albus; ebd., S. 206

131 Einschränkend ist bei den Tabellen zu bedenken: Von 1759-83 verstecken sich weitere Stammholzverkäufe in der Rubrik "Verkauftes Gehölz, Windfälle". Da dieser Sammelposten alle Kleinverkäufe des örtlichen Forstperonals aufführt, fehlt oft die ANzahl der Bäume oder der Preis, wenn überhaupt zu erkennen ist, daß es sich um Stämme handelte.
 
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Antwort #2 - 28.03.2014 um 21:35:09

Brissotin   Offline
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Ein interessantes Thema. Weiß man was statt Holz damals normalerweise bei Otto-Normalbürger verfeuert wurde? Wenn ich mir so immer die Preise für einen Stamm anschaue...
 

Rameau, le plus grand musicien de France... (Voltaire)
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