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Straßenbau im 18.Jh. (Gelesen: 2191 mal)
24.06.2008 um 14:07:19

Brissotin   Offline
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Ich schiebe hier einmal einen Artikel von mir zum Zustand des Straßenbaus um 1700 ein.

Zitat:
Straßenbau
Nach der Antike sprechen Fachleute von einem Verfall des guten römischen Straßennetzes. Die Germanen hatten zwar immerhin Bohlenwege zum Straßenbau beigetragen, welche wohl auch von den Römern aufgegriffen wurden, aber das Interesse an den Straßen wie auch diese als solche verfielen.

Ab dem 13. Jh. verzeichnet sich gerade durch das Aufblühen der Städte eine gewisse Kehrtwende dieser Entwicklung, Steinbefestigungen der Straßen in den Städten finden Verbreitung. Man sprach zu der Zeit vom "Wegemachen", was vorerst auf das sachverständige Einebnen von Kies, Lehm, Ton, Gips und Ziegelscherben beschränkt war. In den großen Städten wie Straßburg und Frankfurt (Main) gab es daneben zusehends auch die "Wegbesetzer", die Steine reihenweise zu setzen begannen. Daneben etablierte sich der "Steinbrücker", der , der morastige Wegeabschnitte mit Knüppeldämmen und Steindämmen versah.

Ab 1567 ist eine Zunft der Straßenbauer ("Bruderschaft der Steinbrücker") greifbar. Wurden zuvor solche Verkehrsprojekte größtenteils privat von Anliegern bzw. Gemeinden finanziert (bis auf wichtige Brücken oder direkt vor u. in Städten), so wurde ab dem späten 16.Jh. der "Straßenbau" zusehends zentral gelenkt. Die Kosten blieben allerding bis zu 2/3 beim Anlieger, teilw. in Form von Sondersteuern (in Worms das "Ungeld"). Während im Reich die Straßen aufgrund des staatlichen Flickenteppichs in recht schlechtem Zustand waren, entwickelte sich in Frkr. eine "Arbeitspflicht an Straßen", welche auch näher die Hauptstraßen einordnete sowie Aufgaben regelte. Lange nach 1700 herschten schlechte Schotterstraßen vor...

In Frankreich und in Österreich gab es allerdings umwälzende Veränderungen im Straßenbau. In beiden Fällen hatte die Kunststraße einen dreischichtigen Aufbau. Von unten nach oben:
- Ziegel oder Bruchsteine
- Schotter
- Kies
Dieser Aufbau wurde von Steinen eingerahmt.
An die römischen Kunststraßen reichten die Kunststraßen von 1650-1700, meines Erachtens, qualitativ allerdings noch nicht heran.

Grundsätzlich war der Straßenbau gerade für kleinere Territorien scheinbar eine Herkulesaufgabe, so dass man davon ausgehen kann, dass in einigen Regionen Deutschlands das Straßennetz was die Konstruktion des Aufbaus anbelangt, noch ganz ähnlich dem mittelalterlichen Zustand war. Hinzu kommt, dass in einigen Regionen ja auch noch zur (spärlichen) Finanzierung des Straßenbaus bzw. der Straßenerhaltung die selben Instrumentarien wie im Mittelalter herhalten mussten.

Kein Wunder vielleicht daher, dass der Kanalbau im 18.Jh. wie schon im 17.Jh. blühte. Während der Straßenbau auch in Preußen recht unbedeutend blieb, wurde der Kanalbau schon vom Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm aber auch von seinen Nachfolgern energisch mit v.a. ausländischen Fachkräften betrieben.
 

Rameau, le plus grand musicien de France... (Voltaire)
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Antwort #1 - 20.02.2009 um 15:50:46

Chevalier_de_Gredo   Offline
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Zitat aus Zenz(Trier im 18. Jahrhundert)

..., gab es eine Straßenverkehrsordnung. Das schlechte Straßenpflaster und der Straßenschmutz ließen in diesen Jahr(1748) eine Art innerstädtischer Verkehrsmittel mittels Portechaisen(Sänften) entstehen.
(mehr hierzu im Thema öffentliche Verkehrsmittel)

Jedenfalls wurde die Trierer Straßen ab 1793 von 17 Oellaternen Beleuchtet. 1794 waren es schon 50Stück!
 

Lesen bildet, wenn man die richtige Lektüre zur Hand hat!
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Antwort #2 - 23.03.2014 um 20:03:01

Brissotin   Offline
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Zum Straßenbau in Kursachsen in unserer Zeit findet sich hier etwas. Die Zitate sind schon sehr interessant, nicht nur für welche, die ihre Darstellung im damaligen Geiet Sachsens ansiedeln: https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/17390
 

Rameau, le plus grand musicien de France... (Voltaire)
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Antwort #3 - 29.07.2015 um 15:58:43

Brissotin   Offline
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Sehr aufschlussreich nicht nur zu den Zuständen ganz am Ende des Jahrhunderts (der Artikel stammt aus den 1790ern) ist der Abschnitt zu Landstraßen im Krünitz.

Ich kann mich daran entsinnen, dass früher bei uns auf Veranstaltungen ungefähr so lapidar wie über das Wetter über die schlechten Straßen gesprochen wurde. Da "muss" man allerdings aufpassen. Denn just im 18.Jh. hatte der Straßenbau offenbar einen enormen Fortschritt gemacht, der sich nicht nur auf die Errichtung der berühmten Postsäulen in Sachsen beläuft.

In der 2. Hälfte des Jh. wurde praktisch überall eine intensive Bautätigkeit aufgenommen. Unter den deutschen Staaten sticht allerdings Österreich offensichtlich heraus. Laut Justi heißt es da: Zitat:
"In den oestreichischen Staten, sind die Land=Straßen, im Ganzen betrachtet, die prächtigsten und gemächlichsten, vom europäischen Erdstrich."

Die niedersächs. Straßen gelten hingegen in Dtl. als die schlechtesten. Für uns interessant wurden rund um Würzburg in der 2. H. des 18.Jh. viele gute Landstraßen angelegt.

Recht hilfsbereit zeigte sich bei meiner Recherche zu dem Thema das Deutsche Straßenmuseum in Germersheim. http://www.deutsches-strassenmuseum.de/
 

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